Leben & Tod

Schon vor einigen Jahren bat mich eine Seminarteilnehmerin, doch mal einen Artikel über den Tod zu schreiben. Bisher hatten andere Themen Vorrang, doch ich habe diese Bitte immer im Hinterkopf behalten. Interessant war, dass ich mich dadurch auch hinsichtlich dieses Themas beobachtete. Wann würde ich wohl darüber schreiben? Braucht es eine spezielle Beschäftigung, ein Ereignis, einen Schlüsselmoment?

Diesen Sommer fiel mir die Biografie von Elisabeth Kübler-Ross in die Hände „Das Rad des Lebens“. Was diese Frau geleistet hat, ist unglaublich. Und unmöglich aufzuzählen. Kurz: Sie hat der Menschheit ein sehr großes Geschenk gemacht, nämlich den Tod als Illusion zu entlarven. Mehr noch: Ihre Berichte zeigen uns, dass wir ungeachtet unserer Religion, Konfession, Nationalität und Kultur gleich sind. Eins sind. Und dass wir alle denselben Weg der wichtigsten Lektionen zu gehen haben. Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, habe ich mich durch Filme und weitere Literatur sowie intensive Meditationen auf das Thema eingelassen. Ich darf zugeben, dass es mich teilweise Überwindung gekostet hat, darüber zu meditieren und zu erlauben was sich da zeigte, doch ich lebe schon seit vielen Jahren nach dem Motto „Wo die Angst ist, ist der Weg“. Und ich darf sagen, es hat sich wirklich gelohnt!

Nahtoderfahrungen

Praktisch alle Erzählungen (zigtausende!) der vergangenen Jahrzehnte gleichen sich, ganz egal welchem Glauben, welcher Religion oder Kultur diese Menschen angehörten. Die Entsprechung zu jahrtausendealten Übermittlungen wird klar. Nahtoderfahrungen gehören seit jeher zur Realität der Menschheit, doch kaum etwas wird so sehr verdrängt wie dieses Thema. Warum? Ganz klar: Weil die Angst vor dem Tod die Sicht einschränkt. Damit will man sich nicht beschäftigen. Vielleicht irgendwann mal, wenns sein muss, aber eigentlich nicht. Der Tod – das große Mysterium. Der große Schmerz. Aber vielleicht muss er das gar nicht sein? Was wäre, wenn es uns helfen würde, uns mit diesem Thema zu befassen? Wenn wir den Tod als Illusion erkennen würden? Als eine weitere Bewußtseinsstufe? Was, wenn wir in dieser Annäherung Liebe in nie geahntem Ausmaß erleben würden?

Elisabeth Kübler-Ross erläutert vier Phasen:

1. In der ersten Phase tritt der Mensch aus seinem Körper aus. Völlig unabhängig von der Todesursache berichteten alle Menschen, die es erlebt haben, dass sie sich ihrer Situation völlig bewusst waren. Sie schwebten aus ihrem Körper und nahmen sich als feinstoffliche Form wahr. Sie konnten zuschauen, was „dort unten“ geschah, was die anwesenden Menschen taten, die sich vielleicht gerade noch um ihr Leben bemühten oder hörten, was die Verwandten sagten.

2. Zu diesem Zeitpunkt nahmen sich die Menschen nur noch als Geist und Energie wahr, also körperlos. Sie konnten in Gedankenschnelle überallhin fliegen, z.B. zu ihrer hinterlassenen Familie, auch wenn diese auf der anderen Seite der Erde lebte. Sämtliche interviewten Personen berichteten, dass dies auch die Phase war, in der sie ihren Schutzengeln, Geistführern oder – wie Kinder oft sagten – Spielkameraden begegneten. Diese trösteten sie liebevoll und führten sie mit ihren bereits verstorbenen Verwandten und Freunden zusammen. In deren Erinnerung war es eine fröhliche Zeit des Wiedersehens.

3. In der dritten Phase erreichten die Menschen dann unter Führung ihres Schutzengels eine Art Tunnel oder Übergangstor (es kann auch in Einzelfällen eine Brücke oder ein Bergpass sein). Auf der anderen Seite erblickten sie ein strahlendes Licht und während sie sich diesem näherten, spürten sie eine starke Wärme und spirituelle Energie von diesem Licht ausgehen. Die Menschen berichteten, dass seine Kraft überwältigend und nicht in Worte zu fassen war. Sie fühlten Freude, Frieden, Ruhe und die Vorahnung der Heimkehr. Dieses Licht war für sie die höchste Quelle der kosmischen Energie. Einige nannten es Gott, andere Christus oder Buddha. Alle stimmten überein, dass es ein Gefühl überwältigender Liebe war, in das sie eintauchten. Zu diesem Zeitpunkt wollte keine der befragten Personen je wieder zurück, doch alle Rückkehrer berichteten, dass dieses Licht eine tiefe Wirkung auf ihr weiteres Leben hatte. Einige hatten dabei großes Wissen empfangen, andere neue Einsichten gewonnen. Alle bezeichneten es als große religiöse oder spirituelle Erfahrung und berichteten, dass das Licht sie gelehrt hatte, dass es nur eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gibt, und diese Antwort lautet LIEBE.

4. Die Menschen berichteten, dass sie sich in dieser Phase in der Gegenwart des höchsten Ursprungs befanden. Sie hätten erkannt, dass sie von allumfassendem Wissen umgeben waren, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einschloss, urteilsfrei und liebevoll. Sie machten die Erfahrung von Einheit, von der Ganzheit der Existenz.
Jetzt hielten die Menschen Rückschau auf ihr Leben, sahen jede Handlung, jedes Wort und jeden Gedanken ihres Lebens. Sie erkannten, wie ihre Gedanken, Worte und Taten andere Menschen, sogar Fremde, beeinflusst hatten. Auch sahen sie ihr Potenzial, was aus ihrem Leben hätte werden können. Sie erkannten, wie alles Leben miteinander verflochten ist und wie alles sich gegenseitig beeinflusst. Sie wurden gefragt „Was hast du Gutes für andere getan?“ und empfanden dies als die härteste Frage überhaupt, denn sie verlangte von den Menschen, selbst darüber Rechenschaft abzulegen, ob sie sich für das Höchste entschieden hatten oder nicht. Sie erkannten, ob sie die Lektion der bedingungslosen Liebe gelernt hatten oder nicht.

„Ob reich oder arm, ob Amerikaner oder Russe, alle menschlichen Wesen haben ähnliche Bedürfnisse, Wünsche und Sorgen. In Wahrheit bin ich nie jemandem begegnet, dessen größtes Bedürfnis etwas anderes als Liebe war. Wahre, bedingungslose Liebe.“ Elisabeth Kübler-Ross

 

Erledige deine Geschäfte!

Die „Rückkehrer“ hatten erkannt: Was einen am meisten beschäftigt und auch belastet, sind die unerledigten „Geschäfte“.
Keiner Fragt sich am Ende seines Lebens, ob er genug Geld verdient hat, ob er auch wirklich das schönste Handy oder Auto oder Haus hatte oder andere materielle Dinge verwirklicht hat. Am Ende steht eine zentrale Frage: Habe ich genug geliebt?
Streits mit anderen Menschen, Zerwürfnisse, offene Fragen, Verletzungen, Schuldgefühle, das sind die Themen die die Menschen am Ende umtreiben. Manche kommen zurück mit diesem Wissen und erledigen diese Dinge, sprechen sich aus mit anderen Menschen, verzeihen, vergeben und umarmen sich.
Andere kommen nicht mehr zurück und nehmen diese unerledigten Dinge mit – vielleicht in das nächste Leben, in dem sie den Menschen in anderer Form wieder begegnen und eine neue Chance bekommen.

Aber auch zentrale Lebensthemen wie „War ich wirklich ich?“, „Habe ich wirklich MEIN Leben gelebt?“, „Bin ich für mich selbst, meine Wünsche und Bedürfnisse eingestanden?“ usw. spielen eine große Rolle.

Die Sterbebegleiterin Bronnie Ware hat ein Buch zu diesen Lebensthemen geschrieben. Sie hebt eine „Top 5“ hervor:

1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein Leben so zu leben wie ich es wollte und nicht so wie es von mir erwartet wurde.“
2. „Ich wünschte, ich hätte weniger gearbeitet und mich mehr um meine Familie und Freunde gekümmert.“
3. „Ich wünschte, ich hätte die Courage gehabt, meine Gefühle zu zeigen.“
4. „Ich wünschte, ich hätte meine Freundschaften gepflegt.“
5. „Ich hätte mir mehr Glück und Zufriedenheit gönnen sollen.“

„Am Ende des Lebens bereut man nicht die Dinge, die man getan hat, sondern die, die man nicht getan hat, die Chancen, die man nicht genutzt hat.“

 

Es ist also durchaus mehr als sinnvoll, sich jetzt zu Lebzeiten ein paar Fragen zu stellen, denn jetzt besteht auch die Möglichkeit, neue Wege einzuschlagen und die unerledigten Dinge zu erledigen.

Was hast du von deinem Leben erwartet, aber bisher nicht erfüllt? Das kann ein Hobby sein, ein Kurs, aber auch ein Beruf, ein Urlaub, eine Lebensphilosophie. Verbinde dich wieder mit deinen Träumen!

Prüfe das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Familie. Bist du genug für deine Lieben da? Genießt du die gemeinsame Zeit ohne an die Arbeit zu denken? Hast du nach getaner Arbeit noch genug zu geben?

Hast du Zugang zu deinen Gefühlen? Kannst du dir erlauben, sie zu fühlen und auch auszudrücken, ohne dich dafür zu schämen oder sie wieder im stillen Kämmerlein einzusperren?

An wen denkst du oft, meldest dich aber nicht? Wer ist dir eigentlich wichtig, aber du kannst nicht über deinen Schatten springen? Was hindert dich daran? Gibt es etwas zu klären, auszusprechen, zu beweinen?

Gönnst du dir selbst genug Zeit und Liebe? Wendest du dich dir selbst zu, deinen Bedürfnissen, deinem Inneren? Nimmst du dir die Zeit, das Schöne in deinem Leben zu würdigen und zu genießen?

Hast du heute schon etwas Gutes für jemand anderen getan? Kannst du heute versuchen, mehr Menschen mehr Liebe zu geben?

Ich könnte hier endlos weiter schreiben, denn es gibt eine unendliche Fülle von „unerledigten Geschäften“, die jeder Mensch auf vielen Ebenen mit sich herum trägt. Diese kleine Auswahl sollte jedoch ausreichen, jedem von euch einen Denkanstoß zu geben, das eigene Leben, die eigenen Beziehungen nochmals zu überprüfen und sich eventuell in einigen Punkten neu zu entscheiden. Die härteste, aber dann auch erfüllendste und endgültigste Lektion ist die der bedingungslosen Liebe. Es ist noch nicht zu spät, jetzt kannst du es tun!